Keltenmuseum HochdorfMuseumsemblem

Keltenmuseum Hochdorf

D-71735 Eberdingen-Hochdorf
Keltenstraße 2
Tel. (07042) 78911
Fax (07042) 37 07 44

www.keltenmuseum.de    
 

Der Ipf – ein frühkeltischer Fürstensitz am Nördlinger Ries.

Sonderausstellung vom 9. März bis 29. Oktober 2006

Eine Ausstellung des Keltenmuseums Hochdorf zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart.
 

Der Ipf - Luftbild von Otto BraaschDer 668 Meter hohe Ipf erhebt sich über der alten Reichsstadt Bopfingen als mächtiger Zeugenberg des Weißen Jura. Mit seinen umfangreichen Befestigungssystemen ist der Berg ein ebenso beeindruckendes wie bedeutendes archäologisches Kulturdenkmal, das weit über Süddeutschland hinaus Bekanntheit erlangt hat. Lange Zeit wurde darüber diskutiert, ob der Ipf auch zu den frühkeltischen Fürstensitzen Mitteleuropas zu rechnen sei.


Der Ipf - Luftbild von Otto BraaschDie eindrucksvollen Dominanz und Wirkung des Berges mit seinen Befestigungsanlagen legte solche Überlegungen nahe. Auch konnte ein weiterer Gesichtspunkt nicht außer Augen gelassen werden - die verkehrsgeographische Lage, die den Berg zu einem wichtigen Knotenpunkt im Fernhandelsnetz zwischen der Donau und dem Main sowie dem Neckar macht.

Hinzu kommen Eisenerzvorkommen in der näheren und weiteren Umgebung auf der östlichen Schwäbischen Alb, die als weitere Grundlage der wirtschaftlichen Bedeutung des Fürstensitzes gelten.

Erstes Anzeichen für die Identifikation als Fürstensitz war der Fund einer griechischen Scherbe in den 60er Jahren. Sie gehörte zu einer attischen Trinkschale aus der Zeit um 500 v. Chr. und gerade diese Luxusgeschirre waren begehrt an den Höfen der Burgherren.

Spektakuläre neue Luftbildentdeckungen führten seit dem Jahr 2000 zu archäologischen Ausgrabungen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg. Binnen weniger Jahre gelang es, umfassende Kenntnisse und eindeutige Belege dafür zu gewinnen, dass der Ipf in der Tat dem Kreis der frühkeltischen Fürstensitze in Mitteleuropa zuzuordnen ist.

Italische Statuette - gefunden in EhringenImportfunde südlicher Güter - dazu zählen bemalte griechische Keramik und griechische Weinamphoren - belegen eindeutig Kontakte über die Alpen mit den Hochkulturen des Mittelmeerraums.

Die neuen Forschungen und aktuellen Ausgrabungen können im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse" der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 2004 durchgeführt werden. So ist es, nach den Ausgrabungen von Friedrich Hertlein in den Jahren 1907 und 1908, heute erstmals wieder möglich, Forschungsgrabungen auf dem Ipf durchzuführen.

Griechische Keramik - gefunden im Rechteckhof von OsterholzDarüber hinaus widmet die archäologische Forschung auch dem Umfeld des Ipf gesteigerte Aufmerksamkeit. Spektakuläre Entdeckungen von Großgrabhügeln und herrschaftlichen Rechteckhöfen ergeben ganz neue Perspektiven für das Verständnis der Besiedlungsgeschichte dieses Kleinraums. Auch altbekannte Fundstellen, vor allem der östlich des Ipf gelegenen Goldberg mit seinen Grabungen der 30er-Jahre, erscheinen nun in neuem Licht. Die Besiedlungszeit der neu entdeckten Rechteckhöfe passt genau in den Zeitraum, in dem der Goldberg für ein bis zwei Generationen verlassen worden war. Binnen weniger Jahre wurde es möglich, Einblick in die Entwicklung und Geschichte eines bedeutenden Herrschaftsgebiets des 6. und 5. Jahrhunderts vor Christus zu gewinnen.


...und das Heft zur Ausstellung:
Der Ipf: Frühkeltischer Fürstensitz und Zentrum keltischer Besiedlung am Nördlinger Ries von Rüdiger Kause, mit Beiträgen von Harald von der Osten- Woldenburg, Ulrisch Sauerborn, Volker Dietze und Reinhard Wolf. Archäologische Informationen, Heft 47 (2004).

 

- 29.10.2006 -

Für Anregungen oder Fragen bitte eMail an: