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Keltenmuseum HochdorfD-71735 Eberdingen-HochdorfKeltenstraße 2 Tel. (07042) 78911 Fax (07042) 37 07 44 |
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Die spätkeltische
Grabkammer |
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Im Rahmen einer systematischen archäologischen Feldbegehung der Gegend um das treverische Oppidum auf dem Titelberg wurden 1987 auf einem Acker südlich von Clemency Scherben von italischen Weinamphoren aufgelesen. Die Fundstelle liegt im Quellgebiet der Eisch, etwa 5 km vom Titelberg entfernt, auf einer Hochflähe über dem Tal der Chiers. Verbrannte Knochen an der Oberfläche legten nahe, dass hier eine bedeutende spätkeltische Grabanlage durch den Pflug angeschnitten worden war. Eine im Herbst 1987 vom luxemburgischen Nationalmuseum eingeleitete Notgrabung führte zur Entdeckung einer der größten Grabkammern der spätkeltischen Zeit. ![]() Rekonstruktion der Grabkammer (Foto: Musée National d'Histoire et d'Art de Luxembourg) Nach dem Entfernen des Mutterbodens zeichnete sich im lehmigen Untergrund eine fast quadratische Grabgrube von 4,30 x 4,20 m Seitenlänge ab. Diese Grube wurde von einem modernen Drainagegraben geschnitten. Wie sich während der Ausgrabung herausstellen sollte, war dies allerdings nicht die einzige Störung, da eine mit Amphorenscherben durchsetzte Struktur in der Südostecke als Rest eines Einstiegschachtes von Grabräubern gedeutet werden konnte. Der Befund beweist, dass die Grabkammer schon bald nach ihrer Verschließung aufgebrochen und beraubt worden war, so dass das Grabmobiliar, so wie wir es heute kennen, sicher nicht vollständig ist. Der Lehm der Auffüllung der Grabgrube wurde in Lagen von 5 cm Dicke abgegraben. In einer Tiefe von 0, 60 in unter der Oberfläche wurden die ersten keltischen Gefäße gefunden, die, wie sich im Laufe der weiteren Untersuchung zeigen sollte, nicht zum eigentlichen Grabmobillar gehörten, sondern bei der Beerdigung auf der Decke der Grabkammer abgestellt worden waren. Im unteren Bereich der Grabgrube wechselte die Farbe der Lehmverfüllung infolge von Staunässe von braun zu blaugrau. In diesem Milieu hatten sich viele Spuren der Holzverzimmerung der keltischen Grabkammer erhalten. Allerdings hatte dieses Holz weitgehend nur die Konsistenz einer weichen faserigen Masse, so dass keine dendrochronologischen Analysen möglich waren. Die sorgfältige Ausgrabung dieser Holzstrukturen erlaubt, dass wir heute eine präzise Vorstellung von der Verzimmerung dieser keltischen Grabkammer haben. Der Boden bestand aus breiten Eichenhohlen, die in der Längsachse der Kammer sowie an der Nord- und Südseite auf Schwellbalken auflagen. Das Gerüst der Seitenwände bestand an den Ecken aus vier in den Lehm eingetriebenen Eichenpfosten sowie in den Zentralachsen aus Ständern, die in Schwellbalken verzapft waren. Diese Holzrahmen trugen eine doppelte Verbretterung. Die ursprüngliche Höhe der Grabkammer ist nicht bekannt, doch waren einzelne Teile von Balken und sogar Bretter der Decke erhalten, die beim Zusammenbruch der Verzimmerung auf die Beigaben gestürzt waren. Abgesehen von der aufwendigen Grabkonstruktion belegen die erhaltenen Beigaben die besondere Stellung des Toten von Clemency. Neben zwei vollständig erhaltenen Weinamphoren in der Nordostecke der Grabkammer wurden im Schuttkegel des Einstiegs der Grabräuber Scherben von mindestens acht anderen Amphoren ausgegraben. Als weitere Importstücke ans Italien lagen in der Mitte der Kammer eine kleine Ollampe aus schwarzer campanischer Ware sowie an der nördlichen Wand ein Bronzebecken. Über 35 einheimische Gefäße waren dem Toten mit ins Grab gegeben worden. Zu den Beigaben zählten auch vier Schweine, deren Skelette allerdings bis auf wenige Zahnreste vom sauren Lehm vollständig zersetzt worden waren. Der Leichenbrand war nach dem Abbrennen des Scheiterhaufens wahrscheinlich in einem Behälter aus organischem Material aufgelesen und auf den Boden der Grabkammer gelegt worden. Die Analyse der Knochenreste hat ergeben, dass der Tote im Alter von 40 bis 50 Jahren gestorben und, in ein Bärenfell eingehüllt, verbrannt worden war. Die einheimische Keramik sowie die italischen Amphoren erlauben eine Datierung der Grabkammer ins zweite Viertel des 1. Jahrhunderts v. Chr. und wahrscheinlich noch vor den Beginn des Gallischen Krieges. Eine großflächige Untersuchung des Umfeldes ergab wichtige Einzelheiten über die Organisation der Grabanlage. So konnte die Existenz eines großen Grabhügels nachgewiesen werden, der durch die Erosion und die Beackerung während Jahrhunderten fast vollständig abgetragen worden war. Dieser Tumulus lag inmitten eines quadratischen Bezirks von 27 m Seitenlänge, der durch einen Graben begrenzt wurde. Außerhalb dieses Bereichs konnte eine stark mit Holzkohle und einigen Leichenbrandresten zersetzte Lehmfläche als Überrest des Scheiterhaufens definiert werden. Zwischen der Grabeinfassung und dem Scheiterhaufen lag ein Bereich, der mit sehr kleinen Fragmenten von absichtlich zerschlagenen Amphoren übersät war und der vielleicht im Zusammenhang mit einem Symposium am Grabe zu interpretieren ist. Mit den Exemplaren des eigentlichen Grabmobiliars konnten somit zwischen 30 und 40 Amphoren nachgewiesen werden; dies bedeutet, dass zwischen 750 und 1000 Liter italischen Weins für die Grabausstattung und die Begräbnisfeierlichkeiten benutzt worden waren. Sehr außergewöhnlich waren über 20 kleine Gruben im südöstlichen Bereich der Grabeinfassung, deren Verfüllungen verbrannte Knochen enthielten und die während der Ausgrabung als ärmliche Nachbestattungen angesehen wurden. Die Untersuchung dieser Brandreste ergab jedoch eindeutig, dass bis auf ein menschliches Sternumfragment diese Knochenreste ausschließlich von Tieren, von Rind, Schwein und Pferd, stammten. Dieser Befund legt nahe, dass noch längere Zeit nach der Verschließung der Grabkammer und der Anlage des Grabhügels Menschen Brandopfer zu Ehren des Toten darbrachten. Die hohe Anzahl der Beigaben und die Aufwendigkeit der Grabanlage unterstreichen eindeutig, dass in Clemency ein mächtiger Vertreter des keltischen Adels bestattet worden war. Clemency, die Adelsgräber von Goeblingen-Nospelt sowie eine Reihe anderer leider schlecht beobachteter Bestattungen mit republikanischen Amphoren und italischem Bronzegeschirr zeigen durch ihre Lage eine deutliche Beziehung zum Oppidum auf dem Titelberg. Die Konzentration dieser reichen Gräber läßt vermuten, dass der Reichtum dieser keltischen Aristokratie, die sicherlich auch die politischen Geschicke im Oppidum lenkte, vor allem auf Landbesitz beruhte. Der Herr von Clemency hatte allerdings noch eine andere Erwerbsquelle, wie die wahrscheinlich symbolische Deponierung des Kamins eines Schachtofens auf der Decke der Grabkammer andeutet. Die Fundstelle liegt inmitten von reichen Rasenerzvorkommen, die bis ins 19. Jahrhundert ausgebeutet wurden. Die direkte Verbindung eines Teils eines Eisenofens mit dem Adelsgrab läßt sicherlich den Schluß zu, dass in Clemency einer der ersten Eisenherren der Gegend beigesetzt worden war.
nach: Jeannot Metzler, Die spätkeltische Grabkammer von Clemency. IN: Der Kreis Merzig-Wadern und die Mosel zwischen Nenning und Metz. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Bd. 24. Seiten 239-243. - Theiss Verlag, Stuttgart 1992. - ISBN 3-8062-1021-7 weitere Literatur: |
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| 10.7.2005 - Für Anregungen oder Fragen bitte eMail an: |
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