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Das Grab des Keltenfürsten

Eberdingen-Hochdorf (Baden-Württemberg)
Deutschland

 

 

www.keltenmuseum.de
Der goldene Halsring (Torques) »One Ring to rule them all
One Ring to find them
One Ring to bring them all
and in the darkness bind them«
J.R.R.Tolkin, Lord of the Rings

Vieles wird über die Torques, die Halsringe der Kelten gesagt. Hier die Aussagen des Ausgräbers des Grabes von Hochdorf:

 

Der goldene Halsring

Der Halsring des Keltenfürsten - Zeichnung

Eine Besonderheit des Hochdorfer Grabes ist, dass man sehr gut unterscheiden kann, welche Gegenstände schon länger im täglichen Leben des Toten benutzt und welche eigens für die Ausstattung, Aufbahrung und Präsentation der Leiche hergestellt wurden. Zur ersten Kategorie möchten wir einen der hervorragendsten Funde des Grabes rechnen - den Ring aus Goldblech, den der Tote um den Hals trug.
Der Ring ist aus einem Stück Goldblech mit einer Stärke von 0,5 mm getrieben und wiegt 144 Gramm. Er hat einen Außendurchmesser von 25,3 cm und gehört damit zu den größten Ringen, die wir kennen. Der Innendurchmesser um 20,5 cm war groß genug, dass der Kelte seinen Ring über den Kopf ziehen konnte.

Die Punzen auf dem Halsring Der Halsring ist aus einem breiten Mittelwulst aufgebaut, der von zwei schmaleren begleitet wird; diese Wülste sind in sich durch herausgetriebene Rippen und von innen nach außen gearbeitete Punzreihen verziert. Die nach außen weisenden Seitenpartien zeigen eine Reihe hintereinandergestellter Reiter, die natürlich nur in ihren Umrissen dargestellt sind. Dazwischen sind einfache geometrische Muster aus Parallelstrichen oder S-förmige Punzen angebracht.

Der geschlossene Ring ist wohl mit einem Messer grob angeschnitten und dann durchgerissen worden, wobei ein etwa 5 cm langes und 1,3 cm breites Stück ausriß, das sich nicht im Grab fand.

Der Fürst mit Halsring (Nachbildung im Keltenmuseum) Diese Beobachtung kann man verschieden deuten. Es wäre möglich, dass man den Ring als Standes- und Machtsymbol des Fürsten bei seinem Tod zerschnitten hat, um damit auch das Abbrechen seiner Macht zu zeigen. Mit dem abgerissenen Stück könnte man diese Macht an seinen Nachfolger weitergegeben haben. Einleuchtender scheint jedoch eine andere Erklärung zu sein, dass man der totenstarren Leiche den Ring vom Hals geschnitten hat, um den Körper des Verstorbenen bis zur Bestattung zu konservieren, oder aber den Ring aufgeschnitten hat, um ihn dem geschmückten Leichnam um den Hals legen zu können.
 
Die Flüchtigkeit der Behandlung einzelner Grabbeigaben, vor allem derer aus Gold, zeigt deutlich, dass die »Leichenbesorger« entweder keinen allzu großen Respekt vor dem Toten hatten oder aber aus einer gewissen Scheu ihre Arbeit möglichst schnell verrichten wollten.
 
Aus dem Kreis der Fürstengräber kennen wir bisher rund 20 Goldhalsringe. Diese verhältnismäßig große Zahl zeigt, dass es sich wohl um Standesabzeichen der damaligen Oberschicht gehandelt hat.
  14.2.2008 - Für Anregungen oder Fragen bitte eMail an: